Berufsorientierung

Berufsorientierungskonzept

der

Grund- und Oberschule Wriezen

 

 

Einleitung

Nach einer Statistik des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks betrug im Jahr 2015 die Lösungsquote der vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträge bezogen auf die gesamte Lehrzeit ca.25%. Die meisten Abbrüche sind in der Anfangsphase der Lehre zu verzeichnen. Gründe für einen Ausbildungsabbruch liegen häufig im Vorfeld der Berufsausbildung. Falsche Berufswahl, ungenügende schulische Leistungen und mangelnde Konfliktfähigkeit werden als Hauptursachen von beiden vertragslösenden Parteien eingeschätzt.

Genau in diesem Spannungsfeld von Schule und Wirtschaft setzt das Berufsorientierungskonzept (BOK) der Grund- und Oberschule Wriezen an. Mit gezielten schulischen Maßnahmen und besonders durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern aus  Wirtschaft und Öffentlichkeit sollte es gelingen, die Schüler schon frühzeitig mit den Anforderungen der zukünftigen Arbeitswelt vertraut zu machen. Gerade Schüler, die vom Elternhaus und von ihrem sozialen Umfeld kaum eine Unterstützung erwarten können, bedürfen der intensiven Hilfe im Rahmen des langfristigen Konzeptes der Berufswahlvorbereitung.

Ein System von einzelnen Modulen ermöglicht unter anderem Schülern, Eltern und Lehrern enge Kontakte zur Wirtschaft zu halten, die ein Verständnis des Wandels der Arbeit - durch den Epochenwechsel von der Industriegesellschaft zur Informations- bzw. Dienstleistungsgesellschaft gekennzeichnet - für die eigene Tätigkeit erst reflektierbar machen.

 

Modul 1: Berufswahlpass

 

Er dient der kontinuierlichen Vorbereitung der Schüler auf die Wahl eines zukunftsträchtigen Erstberufes und ist Aufgabe in allen Klassen und Fächern unserer Schule.

Der Berufswahlpass dokumentiert die Teilnahme an den durchlaufenen schulischen und außerschulischen Lernangeboten und Projekten und bescheinigt besondere Leistungen.

Die Dokumentation besteht aus:

  • Darstellung des eigenen Profils des Jugendlichen
  • vollständige Selbstanalyse
  • persönliche, gelungene Arbeiten ( Tests, Berichte, Dokumentationen, Produkte…)
  • Infoblatt der Schule zur Berufsorientierung
  • Bescheinigungen, Zertifikate usw.

Der Berufswahlpass wird im Klassenraum aufbewahrt, so dass die Schüler in der Arbeitsstunde die Gelegenheit haben, die Mappe auf den aktuellen Stand zu halten.

Die eigenverantwortliche Planung der Schritte zur Berufsorientierung sowie die Arbeiten an der Realisierung und Dokumentation unterstützen den beruflichen Entscheidungsprozess und verbessern die Bewerbungschancen.

 

 

 

Modul 2: Schüler begleiten Erwachsene an ihren Arbeitsplatz

 

Das Tagespraktikum in Klasse 7 dient der Vertiefung und Anwendung der bisher gesammelten Erfahrungen und findet an einem festgelegten Tag statt.

Aufgaben der Schüler und Schülerinnen:

  • Sie suchen in eigener Verantwortung einen geeigneten Betrieb.
  • Sie formulieren eigenverantwortlich ihre Ziele (Was soll in dem Betrieb gemacht, dazugelernt und erfahren werden?).
  • Sie klären, in welcher Form die Ergebnisse und Erfahrungen präsentiert und dokumentiert werden sollen.

Die Ziele werden von Jugendlichen, Erziehungsberechtigten und der verantwortlichen Lehrkraft vereinbart und unterschrieben.

Der Betreuer im Betrieb erhält Kenntnis von den Vorhaben und kann eigene Erwartungen formulieren.

Die Schüler erhalten einen Einschätzungsbogen, aus dem hervorgeht, inwieweit der Jugendliche seine Ziele erreicht hat. Sowohl die Zielvereinbarung als auch der Einschätzungsbogen werden im Berufswahlpass abgeheftet.

 

Modul  3: Zukunftstag

 

Alle Schüler der Jahrgangsstufe 8 und deren Eltern erhalten im November des Schuljahres ein Infoblatt zum Zukunftstag. Alle Eltern, die es wünschen, können es an diesem Tag ihrem Kind ermöglichen, einen Einblick in den Berufsalltag zu gewinnen. Zukünftig sollte diese Form des Schnupperns in der Arbeitswelt von unseren Schülern verstärkt genutzt werden. Die Schule informiert die Eltern und organisiert diesen Tag als Schulveranstaltung.

 

Modul  4: Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen

 

In Absprache, Planung und Vorbereitung mit den LehrerInnen der weiterführenden Schulen kann den Jugendlichen die Möglichkeit eingeräumt werden, einen Tag am Fachunterricht einer Schule der Sekundarstufe II teilzunehmen. Aus fahrtechnischen und Kostengründen bietet sich die Zusammenarbeit mit dem OSZ MOL in den Bereichen Agrarwirtschaft, Metallbau, Erziehungsberufe, Abitur etc. im Besonderen an , aber auch das OSZ Eberswalde, wodurch auch Heilberufe vertreten sind. Die Schüler werden dadurch angeregt zu überprüfen, ob der theoretische Teil der dualen Ausbildung ebenfalls ihrem Leistungsniveau und ihrer Begabung entspricht.

 

Modul  5: Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit

 

  • Einzelberatung der Schüler durch den Berufsberater während des Unterrichts in der Schule, Termin nach Absprache – kontinuierlich
  • Nutzung eines Wandertages in der Klasse 9 zum Besuch des BIZ, wo die Jugendlichen ihren Berufsberater kennen lernen und durch ihn in die Nutzung der Medien eingeführt werden.
  • Organisation von individuellen Elterngesprächen in der Schule für Eltern, deren Kinder aufgrund von Lern- oder Entwicklungsstörungen nicht in der Lage sind, die Berufsbildungsreife an einer allgemeinbildenden Schule zu absolvieren.
  • Präsentsein des Berufsberaters, wenn an der Umsetzung der einzelnen Module außerschulische Partner beteiligt sind.
  • Einladung der Berufsberaterin zur ersten Elternversammlung in Klasse 10.

 

Modul  6: Betriebspraktika (BP)

 

Diese werden im Unterricht gezielt vor- und nachbereitet. Aufgrund der praxisnahen und ganzheitlichen Lernsituation des Jugendlichen eignet sich diese Form des Lernens besonders zur Erlangung von Skills und sollte deshalb auch verstärkt genutzt werden. Die Schüler besorgen sich den Praktikumplatz in Eigeninitiative, was ihre Selbständigkeit stärkt. Die verantwortliche Lehrkraft unterstützt die Schüler bei ihren Bemühungen.

  • Klasse 9 – dreiwöchiges BP (Auswertung mit power point Präsentation oder in anderer Form)
  • Klasse10 – einwöchiges BP

 

Modul 7: Praxislernen

 

  • Zur Unterstützung der Herausbildung von Lernwilligkeit und Lernfähigkeit benachteiligter Schüler im Wahlpflichtbereich WAT der Klassenstufen 7 bzw. 8 findet in verstärktem Maße praxisorientierter Unterricht statt. Sie werden in die Lage versetzt, individuelle Lernziele für sich zu finden, steigern ihr Selbstbewusstsein, entwickeln soziale Kompetenzen und erreichen einen mit Altersgenossen vergleichbaren Stand der Berufsorientierung.
  • Um alle Schüler und Schülerinnen möglichst frühzeitig mit den Anforderungen des Sozial- und Arbeitsverhaltens in der wirtschaftlichen Praxis vertraut zu machen, verrichten alle Schüler der EBR- Klassen der Jahrgangsstufen 9 und 10 wöchentlich einen Praxislerntag in einem Betrieb ihrer Wahl. Begleitend dazu erstellen alle Schüler Berichte über ihre Tätigkeiten und recherchieren Themen des WAT- Unterrichts in der Realität, z.B. zur Erkundung des Unternehmens als ökonomisches, soziales und ökologisches System. Die Ergebnisse dokumentieren die Schüler in einem Portfolio und präsentieren diese in geeigneter Form auf einer Elternversammlung.

 

 

Modul 8: Jobbörsen/Ausbildungstage

 

Die familiäre Situation eines zunehmend großen Teils unserer Schülerschaft ist gekennzeichnet durch die Abhängigkeit vom sozialen Netz mit all ihren negativen Implikationen. Für jede Aktion, die nicht an der eigenen Schule stattfindet, müssen die Eltern das Fahrgeld finanzieren, was den Aktionsradius der Schule einschränkt. Deshalb organisiert  die Schule die Teilnahme unserer Schüler an einer Jobbörse und die Eltern werden darüber hinaus auch über den Ausbildungstag in Strausberg (findet immer samstags statt) schriftlich informiert.

Alle Schüler besuchen die Ausbildungsmesse „vocatium“ in Frankfurt (Oder). Fakultativ wird den interessierten Schülern außerdem die Teilnahme an den Jobbörsen in Bad Freienwalde und Eberswalde empfohlen.

 

Modul 9: Betriebserkundungen

Der größte Teil unserer Schüler lebt in Familien, die von Langzeitarbeitslosigkeit als Form struktureller Arbeitslosigkeit betroffen sind. Weil die strukturelle Gliederung der Wirtschaft im Oderbruch nur schwach ausgeprägt ist, sind die Wege, die uns in größere Betriebe führen, auch etwas weiter, was wiederum zu einem erhöhten Kostenaufwand beiträgt.

Beginnend in Klasse 8 werden Wandertage für Betriebserkundungen und Recherchen zu Berufsbildern genutzt.

 

Modul 10: Medienkompetenzen

 

Alle Unterrichtsfächer werden an der Grund- und Oberschule Wriezen zum Erlernen und zur Anwendung der Neuen Medienkompetenz genutzt.

  • Betriebssysteme
  • Anwendungssysteme ( Word, Excel)
  • Weiterführung in Word und Excel, Präsentationsprogramme (power point)
  • Kommunikation, e-learning, Datenbanken und Auswertung von Evaluationen

 

 

Modul 11: BO-Woche

 

Um unseren SchülerInnen die Zeit, in der sie selbstständig sich um einen Ausbildungsplatz, die Sozialversicherungen, ein eigenes Konto, Zahlungsmodalitäten und Wohnung bemühen müssen, stärker ins Bewusstsein zu bringen und sie zielgerichtet – campagnenartig –  verstärkt vorzubereiten, führen wir die Berufsorientierungswoche durch.

Dieser besondere Unterricht weicht von der alltäglichen Form ab und wird zum größten Teil durch außerschulische Partner aus Wirtschaft und Öffentlichem Leben gehalten. Die Lehrer begleiten selbstverständlich die Gruppen und leisten unentgeltliche Mehrarbeit.

Den SchülerInnen wird einmal mehr Gelegenheit geboten, ihre erworbenen Kompetenzen zu präsentieren und zu erweitern. Die Themen werden jährlich festgelegt und richten sich nach den festgestellten Defiziten (Wiederholung) oder fächerübergreifenden Lehrplaninhalten.

Um eine gewisse Scheu und/oder Schüchternheit bei unseren SchülerInnen abzubauen, müssen wir ihnen Gelegenheiten einräumen, sich vor unbekannten Personen zu äußern zu präsentieren.

 

Mögliche Themenschwerpunkte:

 

  • Erstellen einer weiteren Bewerbungsmappe für einen Beruf in einem Betrieb Kl.10
  • Bewerbungstraining
  • Assessmentcenter nur Kl.10
  • Körpersprache, Mimik, Gestik
  • Einstellungstests
  • Simulierte Vorstellungsgespräche
  • Tag der Betriebe
  • Eigenes Profil erstellen – vollständige Selbstanalyse ( ganze Sätze)
  • Methodentraining zum Einüben /Festigen der Skills
  • Seminar Stressabbau - Krankenkasse
  • Gesund leben – nächste Krankenkasse
  • Hobbys sind bei Arbeitgebern gern gesehen – Hobbythek
  • Konfliktschlichtung/Streitgespräch/Deeskalationstraining
  • Wohnungssuche im Internet
  • Bank: Wie bezahle ich meine Rechnungen?
  • Wirtschaftsquiz mit Preisverleihung
  • o.ä.